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Was tun, wenn man Schulden erbt?

Sehr geehrte Leserinnen uns Leser,

nachdem ich bereits einen Artikel zu den Grundbegriffen des Erbrechts verfasst und einige wichtige Fragen zum Pflichtteilsrecht beantwortet habe, beleuchte ich heute die Situation aus Sicht der Erben. Hier gibt es jedoch zu viel zu beachten, so dass lediglich ein kurzer Überblick gegeben werden kann. Grundsätzlich wird man Erbe durch Testament oder gesetzliche Erbfolge. Als Erbe muss man aber auch die Erblasserschulden tragen. In solchen Fällen wird der reine Nachlasswert meist nicht einmal zur Tilgung der Verbindlichkeiten ausreichen. Was nun?

Der Erbe hat die Möglichkeiten, die Erbschaft auszuschlagen. Er wird dann kein Erbe und haftet auch nicht für Schulden des Erblassers. Ist kein weiterer Erbe vorhanden, tritt der Staat, genauer der Fiskus des Bundeslandes, in dem der Erblasser seinen letzten Wohnsitz hatte, an diese Stelle. Damit wäre aber auch die wertvolle alte Standuhr der Großeltern weg. Hier ein kleiner Tipp: Vermächtnisse (z.B. die Standuhr) und Auflagen bleiben trotz Ausschlagung wirksam und können gegen den Fiskus geltend gemacht werden. Für die Ausschlagung gilt eine Frist von 6 Wochen ab Kenntnis des Erbfalles. Wird innerhalb dieser Frist die Ausschlagung nicht erklärt, gilt die Erbschaft als angenommen.

Bei der zweiten Möglichkeit wird die Ausschlagung nicht erklärt, aber sein eigenes Vermögen in „Sicherheit“ gebracht. Das geschieht mit der Dürftigkeitseinrede. Sie ist immer bei der „Unzulänglichkeit des Nachlasses“ möglich, wenn also das vorhandene Vermögen so geringwertig ist, dass die Kosten der Nachlassverwaltung oder einer notwendigen Insolvenz nicht daraus bezahlt werden können. Diese Einrede muss jedem Schuldner gegenüber erklärt werden. Ob die Ausschlagung oder die Dürftigkeitseinrede die bessere Wahl ist, muss im Einzelfall geprüft werden.

Bei diesen Themen gilt es jedoch besonders zu beachten, dass hier nur eine grobe Übersicht gegeben werden kann. Die zahlreichen Ausnahmen des Einzelfalles können in dieser Kürze nicht beleuchtet werden. Es empfiehlt sich hier meist zwingend der Gang zum Anwalt.

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